855 JAHRE
BERGEDORF

EIN STADTTEIL MIT
GESCHICHTE

Der heutige Bezirk Bergedorf mit seinen insgesamt 13 Stadtteilen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Schon die territoriale Zugehörigkeit ist etwas unübersichtlich: Das kleine Städtchen Bergedorf mit den dazugehörigen Vierlanden wurde fast 450 Jahre lang von den Hansestädten Hamburg und Lübeck im Wechsel verwaltet, während die sieben Marschlande direkt zu Hamburg gehörten und sich das Bauerndorf Lohbrügge auf holsteinischem Boden befand. Somit verliefen auch verschiedene Zollgrenzen quer durch den heutigen Bezirk. Erst mit dem „Groß-Hamburg-Gesetz“ von 1937 kamen alle Gebiete geschlossen zu Hamburg.

BERGEDORF IM MITTELALTER

Kurz nachdem sich das Christentum in der Mitte des 12. Jahrhunderts in Norddeutschland durchgesetzt hatte,wurde auch in Bergedorf ein erstes kleines Kirchspiel gegründet. Neben der einfachen Kirche, die wohl schon am Ort der heutigen St. Petri und Pauli-Kirche stand, entstand eine kleine Siedlung. Während einer kurzen Episode dänischer Besatzung zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurden wichtige Entscheidungen für die Region getroffen. Die Dänen erkannten die günstige Verkehrslage Bergedorfs, ließen hier die Bille aufstauen und begannen gleichzeitig, die Vierlande durch Deichbaumaßnahmen den Gezeiten der Elbe zu entziehen. Nachdem sich die Dänen im Jahr 1227 wieder aus Norddeutschland zurückziehen mussten, fiel Bergedorf an die Herzöge von Sachsen-Lauenburg. Sie nutzten die kleine Burg im Zentrum des Städtchens zeitweise als fürstlichen Sitz, verloren aber nach und nach an Macht und Einfluss.  
Die blühenden Hansestädte Hamburg und Lübeck hatten schon länger ein Auge auf Bergedorf geworfen und griffen 1420 schließlich gemeinsam den Herzog von Sachsen-Lauenburg an. Während der fünftägigen Belagerung wurde die Bergedorfer Burg weitgehend zerstört viele Häuser im Städtchen brannten nieder. Der Sieg der Truppen aus Hamburg und Lübeck war der Beginneiner „beiderstädtischen Verwaltung“ Bergedorfs. Die beiden Hansestädte benannten in der Folgezeit immer abwechselnd einen Amtsverwalter, der sich um die Amtsgeschäfte zu kümmern hatte. Zum „Amt Bergedorf“ gehörten auch die Vierlande, das Dorf Geesthacht und ein großer Teil des Sachsenwaldes. Das hier geschlagene Holz wurde nach Bergedorf transportiert und konnte über den 1442 angelegten Schleusengraben auf dem Wasserweg nach Hamburg gebracht werden.
 

STÄDTCHEN UND LAND

Im Städtchen Bergedorf gab es nur drei Straßen, aber es wohnten im Jahr 1590 schon etwa 1000 Menschen hier. Zwei Stadttore grenzten den Ort nach Westen und Osten ab und ein Stadtgraben schützte vor kleineren Übergriffen. Einige Einwohner verdienten ihr Geld als Handwerker, andere waren so genannte Ackerbürger – das heißt, sie lebten als Bauern mitten in Bergedorf und hatten ihre Felder vor der Stadt. Ab 1600 entstand südlich des Stadtkerns eine bescheidene Vorstadt aus einfachen Häusern. Hier wohnten Kleinhändler und Handwerker mit ihren Familien in sehr beengten Verhältnissen.