Kultur & Geschichtskontor Bergedorf

Das Kultur- & Geschichtskontor ist die Geschichtswerkstatt für Bergedorf, Lohbrügge und die Vier- und Marschlande. Lernen Sie unsere Angebote kennen.

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Das Bergedorfer Schloss

  • Das Schloss als Postkartenmotiv, von Süden gesehen, um 1910. Der Dachreiter auf dem Südostflügel wurde 1939 entfernt, der „Zierratkram“ entsprach nicht dem damaligen Zeitgeist. Bildquelle: Kultur- & Geschichtskontor

Ein Schloss der besonderen Art

Durch Belagerung und Beschuss bei der Eroberung Bergedorfs durch Hamburg und Lübeck im Jahr 1420 war die kurz nach 1208 errichtete Wasserburg stark beschädigt. Die Hansestädte ließen die Burg Flügel für Flügel neu bauen.

Wer sich in den Innenhof des Schlosses stellt, findet heute den ältesten erhaltenen Teil gegenüber dem Eingangstor. Er weist noch Mauerreste aus den 1460er-Jahren auf. Rechts davon ist an der Balkeninschrift des Südwestflügels ablesbar, dass man 1661 den vierseitigen Innenhof mit einem Fachwerktrakt schloss. 50 Jahre zuvor wurde der ebenfalls zum Teil heute noch stehende nordwestliche Flügel mit dem Torbau errichtet. Hier befand sich das Burgverlies, in dem Straftäter eingekerkert wurden und die Gefolterten nach den "peinlichen Verhören" durch den Scharfrichter starben. Alte Gerichtsakten belegen, dass die Zeit des durch die Kirche verbreiteten und von der Obrigkeit mitgetragenen Hexenwahns auch an Bergedorf nicht vorübergegangen war.

Auf Schloss Bergedorf wohnte der beiderstädtische Amtmann und verwaltete von hier aus das Städtchen und das Landgebiet. Nach dem Beginn der Entfestigung Hamburgs wurden 1805 auch am Bergedorfer Schloss Wälle geschleift und Gräben zugeschüttet. Darüber hinaus veräußerte der Amtsverwalter die Hälfte der 24 Kanonen, die auf den Wällen positioniert waren. In den heutigen Schlossanlagen sind die verbliebenen Überreste der alten Wälle und Gräben noch gut zu erkennen.

Im Jahr 1806 begann auch für Bergedorf die Franzosenzeit als napoleonische Soldaten Städtchen und Schloss besetzten. Von 1814 an, nach Ende des Krieges und der Franzosenzeit, bis zum Jahre 1867 verwaltete wieder ein beiderstädtischer Beamter, mit Amtsräumen und Wohnsitz im Schloss, Bergedorf und das Landgebiet.

Die beiderstädtische Zeit war am 01.01. 1868, nach fast 450 Jahren, endgültig vorbei. Hamburg hatte Lübecks Anteil am Amt Bergedorf, zu dem die Vierlande, das Elbdorf Geesthacht und die Stadt Bergedorf gehörten, den Lübeckern für 200.000 preußische Taler abgekauft. Nach Einführung der Landgemeindeordnung wurde das Amt zur Landherrenschaft mit zentraler Verwaltung durch einen Senator, dem Landherren, in Hamburg. In der Folge zog fast die gesamte örtliche Administration in das Schloss ein.

Das Gebäude entsprach bald nicht mehr den Anforderungen, so dass der Nordostflügel 1897 abgebrochen und durch einen Neubau im Stil der damals gerade für repräsentative Gebäude modernen wilhelminischen Neugotik ersetzt worden ist. Vom Polizeistützpunkt über die technische Nothilfe bis zum Luftschutzübungszentrum hat dieses letzte in Hamburg erhaltene Schloss im 20. Jahrhundert noch manches in seinen Mauern beherbergt. Heute wird das historische Gebäude als Museum für Bergedorf und die Vierlande genutzt.

* Hochdeutsche Fassung des plattdeutschen Dialogs:

(Husten, kratzige Stimmen …).

Soldat: Hauptmann, wir haben keine Sicht mehr auf den Feind und uns wird der Atem genommen als hätte der Leibhaftige die Tore zur Hölle geöffnet. Wir können die Burg nicht mehr lange halten.

Hauptmann: Wir müssen aushalten, der Herzog schickt gerade einen Parlamentär vor das Tor, lass uns hoffen, dass sie uns gnädig sind …